Pfarrgemeinden

Weilheim - St. Marien


Malerisch eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft westlich der Kernstadt Hechingen liegt der Stadtteil Weilheim (765 Einwohner, 504 m ü. NN, Gemarkungsfl äche 6,94 km²). Der Ort wurde erstmals im Jahr 1275 erwähnt, dürfte jedoch wesentlich älter sein. Zahlreiche Hinweise und Grabungen deuten darauf hin, dass hier bereits die Römer siedelten. Weilheim gehörte ursprünglich zur Grafschaft Zollern und hatte im 13. Jahrhundert einen Ortsadel.

Seit über 50 Jahren gehört zur Pfarrei St. Marien ein eigener gleichnamiger Kindergarten. Im ehemaligen Pfarrhaus gab es neben einladenden Gemeinderäumen bis zum Jahr 2014 den Sitz der Verrechnungsstelle des Dekanats Zollern, während das Pfarrbüro bereits 2003 nach Hechingen verlegt wurde. Dies war Teil einer umfassenden Umstrukturierung, nachdem am Pfingstmontag 2002 die Seelsorgeeinheit (SSE) St. Luzius errichtet wurde, die von einem Priester und einem Seelsorgeteam geleitet wird. Die Kirchengemeinde umfasst heute alle Stadtteile Hechingens, also insgesamt neun Gemeinden mit 10.277 Katholiken (davon 545 in Weilheim).


Glanzstück der Kirche ist im Hochaltar die „Thronende Gottesmutter“ mit Krone, Zepter und segnendem Kind. Die Figur aus dem Jahr 1390 war ursprünglich ganz vergoldet und gehörte zur Ausstattung der älteren Kirche. Den oberen Teil des Hochaltars bestimmt die Darstellung der Dreifaltigkeit: Gottvater mit der Erdkugel, zu seiner Rechten Heilige Maria MuttergottesChristus mit dem Kreuz. Über beiden schwebt, als Taube dargestellt, der Heilige Geist. Den Abschluss des Baldachins aus blauem Samt bildet das Lamm Gottes. Neben Putten aus dem Jahre 1785 wird der Hochaltar von Statuen der Apostelfürsten Petrus (links) und Paulus (rechts) von 1605 geziert. Die Reliquienschreine von 1737 wurden 2004 neu gefasst und enthalten die Gebeine römischer Märtyrer.

Der linke Seitenaltar

Der Besuch Marias bei Elisabeth (vgl. auch den Zwickel hinten rechts), verweist auf das Patrozinium, den 2. Juli. Auf dem Bild, das früher seinen Platz im Hochaltar hatte, deutet Elisabeth mit dem rechten Zeigefi nger auf eine Wurzel – eine Anspielung auf den erwarteten Messias aus dem Stamm, der „Wurzel“ Jesse (vgl. Jes 11,10). Die Pyramide im Hintergrund deutet die Flucht nach Ägypten an. Die Figuren aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stellen den hl. Dominikus und die hl. Katharina von Siena dar, die die Verbreitung des Rosenkranzes stark förderten.

Die Deckenbilder

Die Deckengemälde verweisen auf zentrale Ereignisse des Lebens Jesu, in denen die katholische Kirche die Grundlegung ihrer Sakramente sieht: die Einsetzung der Eucharistie beim Letzten Abendmahl, die Auferstehung Jesu an Ostern als Sieg über den Tod und als Fundament der Taufe. Die Darstellung von Pfi ngsten will nicht nur an die Geburtsstunde der Kirche erinnern (Herabkunft des Heiligen Geistes und Beginn der Verkündigung des Evangeliums durch die Jünger), sondern auch an das „persönliche Pfi ngsten“ jedes Christen, wenn er das Sakrament der Firmung empfängt.


Der Ort Weilheim und seine Pfarrkirche werden urkundlich erstmals 1275 erwähnt. Jedoch wurde wohl schon durch die Franken, die den christlichen Glauben ab dem 7. Jh. n. Chr. in das hiesige Gebiet brachten, ein „bescheidenes Kirchlein“ erbaut. Diese erste Muttergotteskirche war Mutterkirche für die Nachbarpfarreien Grosselfingen (bis 1472), für Wessingen (bis 1912) und für das Dorf Hausen, das im 30-jährigen Krieg unterging. Erstmals ausdrücklich erwähnt wird die Pfarrkirche „Unserer Lieben Frau zu Weilheim“ 1544.

Die Baugeschichte der heutigen Pfarrkirche ist eng verbunden mit Christian Debele, Weilheimer Pfarrer von 1734-1773, und mit dessen Nachfolger von 1774-1805, Josef Schwendenmann. Offenbar waren die Kirchengebäude zu jener Zeit in einem überaus schlechten Zustand, denn Pfarrer Debele (sein Grabstein befi ndet sich an der Umfassungsmauer) begann gleich nach seinem Amtsantritt mit den Arbeiten, zu denen er Baumeister Christian Großbayer aus Haigerloch heranzog. Nach dem Umbau des Pfarrhauses wurde die Kirche erweitert. Dabei übernahm Großbayer von der mittelalterlichen Kirche das lang gestreckte Kirchenschiff mit dem Rechteckchor (von außen ist noch ein gotisches Maßwerkfenster sichtbar) und verband den bis dahin frei stehenden Turm mit dem Kirchenschiff. Nachdem die neue Sakristei vollendet war, konnte nach 4-jähriger Bauzeit am 4.8.1772 die Kirche eingeweiht werden.

Ferdinand Dent, der als fürstlicher Hofmaler die Deckengemälde schuf, erinnert mit einem Chronogramm, d.h. mit hervorgehobenen Buchstaben, die jeweils für eine lateinische Zahl stehen, an das Erbauungsjahr MDCCLVVVIII = 1768.


Die erste Orgel der Kirche hatte ihren Platz auf der Empore über der heutigen Sakristei. Deren Nachfolgerin wurde an der Wand gegenüber der Kanzel befestigt, was die noch vorhandenen Befestigungshaken erkennen lassen. Reste der dritten Orgel aus dem Jahre 1922 sind am Aufgang zur Empore zu sehen. Die heutige Orgel wurde 1976 von der Firma Stehle aus Bittelbronn gebaut. Sie hat 2 Manuale, 17 klingende Register und elektrische Trakturen.