Pfarrgemeinden

Boll - St. Nikolaus


Der Stadtteil Boll (1256 Einwohner, 550 m ü. NN, Gemarkungsfläche 11,48 km²) liegt unmittelbar am Fuß der Burg Hohenzollern, 4 km südöstlich der Kernstadt Hechingen. Der Ort wurde erstmals 1266 urkundlich erwähnt und hatte durch die räumliche Nähe zur Burg Hohenzollern eine sehr wechselhafte Geschichte.

Seit über 35 Jahren gehört zur Pfarrei St. Nikolaus ein eigener gleichnamiger Kindergarten. Im Pfarrhaus wohnt zwar inzwischen kein Pfarrer mehr, aber in den einladenden Gemeinderäumen finden nach wie vor viele Veranstaltungen und Sitzungen statt. Dort war auch das Pfarrbüro untergebracht, bevor es 2003 nach Hechingen verlegt wurde. Dies war Teil einer umfassenden Umstrukturierung, nachdem am Pfingstmontag 2002 die Seelsorgeeinheit (SSE) St. Luzius errichtet wurde, die von einem Priester und einem Seelsorgeteam geleitet wird.

Die Kirchengemeinde umfasst heute alle Stadtteile Hechingens, also insgesamt neun Gemeinden.


Patrozinium: 6. Dezember

Das Bild des ehem. rechten Seitenaltars hängt heute neben der Orgel, von wo der Patron mild und ehrwürdig auf seine Pfarrkinder herabblickt. Als Pendant dazu steht vorne links die eifrig verehrte Nikolausstatue von 1909. Beide Darstellungen zeigen den hl. Nikolaus als Bischof mit drei goldenen Kugeln bzw. kugelförmigen Geldbörsen. Leider gibt es nur wenige historische Quellen, die Auskunft über den Bischof von Myra geben können, der von 280-351 gelebt haben soll. Es sind vor allem Legenden, die bis heute die Erinnerung an diesen gütigen, gläubigen und hilfsbereiten Bischof wach halten. So wird überliefert, dass sich ein verarmter Adliger anschickte, seine drei heiratsfähigen Töchter zu verkaufen, damit sie sich ihre Mitgift als Dirnen verdienen. Als dies Bischof Nikolaus zu Ohren kam, wollte er den Mädchen dieses Los ersparen. Darum warf er eines Nachts durch das geöffnete Fenster in das Schlafzimmer der drei jungen Frauen drei Beutel voller Goldstücke. Von dieser Legende leitet sich das Patronat des hl. Nikolaus für heiratsfähige Mädchen ab; außerdem wird er als Patron der Kinder, Jugendlichen und Schüler, der Pilger und Reisenden angerufen. Kaum ein Heiliger hat so viel Liebe und Verehrung erfahren, kaum einer ist auch denjenigen vertraut, die ansonsten mit Kirche und Heiligenverehrung nur wenig anfangen können. Allerdings wissen immer weniger Menschen, dass hinter dem Weihnachtsmann mit Zipfelmütze der hilfsbereite Bischof von Myra steckt, der die Liebe Gottes zu uns Menschen, wie wir sie an Weihnachten feiern, den Menschen seiner Zeit vorgelebt hat. In der Pfarrgemeinde Boll wird jährlich um den 6. Dezember sein Patrozinium festlich begangen.

Marienverehrung in Boll

Wallfahrtskirche Maria Zell BollBesondere Verehrung erfährt in Boll neben dem Kirchenpatron auch die Gottesmutter, insbesondere durch die Wallfahrtskirche Maria Zell. Beachtlich viele Gläubige besuchen das Kirchlein im Wald, das heute der politischen Gemeinde gehört, um dort in Stille oder gemeinsam zu beten oder den dort angesiedelten Friedhof zu besuchen. Die enge Verbundenheit der Bevölkerung von Boll zu „ihrem Zell“ kommt nicht zuletzt im Maria-Zeller-Lied zum Ausdruck, wo es heißt: „Wo hier in diesem Erdentale ein Born von Himmelsegen winkt, aus der mit gern gefüllter Schale so mancher Pilger Labung trinkt. Da zieh’n wir hin, Maria mild, zu Deinem heil’gen Gnadenbild.“


Die Anfänge der Pfarrei St. Nikolaus reichen bis ins 1. Jahrtausend zurück. Mönche von St. Gallen gründeten um 800 am Fuß des Zellerhorns eine Niederlassung. Diese Siedlung mit dem Namen „Zell“ wird urkundlich mit Kirche und Pfarrer erstmals im Jahr 1255 erwähnt. DieWallfahrtskirche Maria Zell erinnert bis heute an diese Vergangenheit.

Das Jahr 1488 markiert eine Wende in der Geschichte von Boll, als der damalige Pfarrer von Zell seinen Wohnsitz „neben die St. Nikolauskirche zu Boll“ verlegte. Von da an verlagerte sich auch das Leben der Pfarrgemeinde immer mehr ins Tal, so dass 1864 die Kirche in Boll zur Pfarrkirche erklärt wurde, obwohl sie damals in einem sehr schlechten Zustand war. Außerdem fand nur noch die Hälfte der Bevölkerung in dem Kirchlein Platz, so dass die Einwohner von Boll auf den Bau einer neuen Pfarrkirche hofften. Pfarrer Söll war es, der im Jahre 1903 den Bauplatz für die Kirche und das Pfarrhaus erwarb, 1904 wurde Pfarrer Saurer durch Kirchen und Gemeinderat der Auftrag erteilt, mit dem Architekten Laur einen Bauplan für Kirche und Pfarrhaus auszuarbeiten. Im Herbst 1904 kam Pfarrer Häussler nach Boll. Als tatkräftiger und baufreudiger Priester sammelte er eifrig Geld und trieb den Kirchenbau voran. So konnte mit dem Neubau im damals hochmodernen Jugendstil bereits 1908 begonnen werden. Ein Jahr später war es dann soweit: Der Freiburger Erzbischof Thomas Nörber konnte das neue Gotteshaus unter großer Beteiligung der Bevölkerung einweihen.


Die Orgel wurde 1909 von der Firma Stehle aus Haigerloch-Bittelbronn im romantischen Stil gebaut. Die schön gearbeiteten Registerzüge sind entsprechend der Verteilung der Register angeordnet. Die Tasten sind aus Celluloid und Ebenholz hergestellt. Die Prospektpfeifen aus einer hochwertigen Zinn-Blei-Legierung mussten 1917 abgegeben werden und wurden 1927 durch kostengünstigere und schlichte Zinkpfeifen ersetzt.

Zusätzlich wurden an der Orgel 1965 unter Beibehaltung des Traktursystems weitere Veränderungen vorgenommen. So verfügt die Orgel in ihrem gegenwärtigen Zustand über 18 klingende Register; Spiel- und Registertraktur sind seither pneumatisch. Dessen ungeachtet ist die Orgel von St. Nikolaus aufgrund ihrer historischen Substanz und nicht zuletzt wegen ihrer klanglichen Seite ein interessantes wie auch schützenswertes Instrument.